"Blind ins Internet"- der Einsteigerkurs

fand vom 8. bis 10. Februar 2002 im Ostseebad Boltenhagen statt. Die "Ostseeperlen Boltenhagen", Aura-Hotel des BSV Mecklenburg-Vorpommern hatten sich zusammengetan mit dem Deutschen Blindenbildungswerk und dem IBM-Accessibility-Center, um interessierten Blinden und Sehbehinderten jeden Alters einen gangbaren Weg ins Internet zu weisen. Für die Bereitstellung der fünf Rechner, an denen die zehn Kursteilnehmer arbeiten konnten, danken wir ganz herzlich einer Firma, die selbst im Ausbildungsbereich engagiert ist. Sie heißt Überregionales Ausbildungszentrum mit Sitz in Waren/Müritz, Geschäftsstelle Grevesmühlen. Ferner wurden wir moralisch unterstützt von MVWEB, dem Informationsdienst für Mecklenburg-Vorpommern in Person der Geschäftsführerin, Frau Martina Lenk.

Zeitungsfoto vom Kursleiter Dr. Jürgen Trinkus selbst blind stand den Kursteilnehmern mit Rat und Tat zur Seite.
© Foto: Daniel Kreusch, Ostsee Zeitung

Wir waren drin!

Die 8 Teilnehmer des Kurses sind am Mittag des 10. Februar wieder nach Hause gefahren. Hinter ihnen lagen fast 20 Stunden Internetkurs, verteilt auf 3 Tage. Die "Ostsee Zeitung" hat auch schon am folgenden Tag berichtet.

Ob sich die Kursanten ihre IBM-Internet-Führerscheine verdient haben, welche Dr. Karl-Heinz Weirich vom IBM-Accessibility-Center überreichte, das wird sich erst verlässlich zeigen, wenn sich die Grundlagen zum heimischen Weiterlernen bewährt haben.

Gearbeitet wurde an fünf Computern. Diese wurden uns freundlicherweise geliehen vom Überregionalen Ausbildungszentrum, Geschäftsstelle Grevesmühlen. Über einen Rooter konnten alle gleichzeitig ins Netz gehen.

Alle PCs waren mit Lautsprechern und Kopfhörern ausgestattet, was natürlich unerlässlich war, denn die Sprache ist das Medium zum Verstehen der Web-Seiten. Hier lag zugleich das Problem. Zwei Leute mussten auf einen Computer hören und durften sich gleichzeitig nicht stören lassen vom Wortgewirr im Raum. Das war nicht immer einfach. Gelernt haben wir daraus, dass es erforderlich ist, den jeweiligen Lehrinhalt zunächst an einem Gerät zu demonstrieren. Anschließend folgt jeweils der Übungsteil, bei dem der Kursleiter und möglichst auch einige Unterstützer von Platz zu Platz eilen, um Hilfestellung zu geben.

Dass an 3 der 5 Geräte je zwei Kursteilnehmer saßen, wurde sowohl als Vor- als auch Nachteil erlebt. Zum einen kann man sich gegenseitig helfen, wie es Gabi und Andreas taten. Zum anderen hat einer alleine natürlich mehr Zeit zum üben und probieren.

Das Gruppenklima wurde überwiegend als angenehm empfunden. Wenn einzelne Teilnehmer, was nicht ausbleiben kann, in Frustration zu versinken drohten, konnten sie aufgefangen werden.

Als günstig wurden auch die äußeren Bedingungen bewertet, vor allem die gewohnt unafdringliche und doch immer präsente Hilfsbereitschaft der guten Geister im "Haus Seeschlößchen". Dabei soll besonders die technische Unterstützung hervorgehoben werden, die uns Heinz Kozdon geleistet hat. Er hat die PC.s transportiert, auf- und wieder abgebaut und war meist in der Nähe, wenn es mal wieder einen Absturz gab. Solches blieb leider nicht aus. Ob nun die Geräte dafür zu Recht oder Unrecht getadelt wurden, sei dahingestellt. Gelegentlich könnte die Ursache eher bei einem ungeduldigen Benutzer gelegen haben. Nach einer Eingabe weiß ich als Blinder oft nicht, ob das Gerät nun schwer arbeitet oder nicht reagiert hat. Durch weitere unduldsame Eingaben kann auch ein langsam arbeitendes Gerät über die Grenze seiner Leistungsfähigkeit getrieben werden.

Das Programm wurde im Wesentlichen so abgearbeitet, wie es konzipiert war. Vergleiche hier den Ablaufplan! Dass die Zeit in den einzelnen Lektionen nicht ausreichen würde, um das Erlebte zu festigen, war von vornherein klar. Daher war es auch besonders wichtig, die Teilnehmer dahin zu führen, dass sie zu Hause mit dem in den Home Page Reader integrierten Lernprogramm weiter arbeiten.

Foto: Dr. K.-H. Weirich überreicht Diplom Dr. Karl-Heinz Weirich von IBM Deutschland überreicht die Zertifikate, soeben an Andreas Waag. Im Hintergrund ist auch Dr. Jürgen Trinkus, der Kursleiter zu sehen.
© digitales Foto: Heinz Kozdon.


Erstellt am 11.2.2002Zuletzt geändert am 20.02.2005