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Vorbemerkung
Dieses Protokoll wurde auf Grundlage des Audiomitschnittes erstellt, der auf 2 CDs beiliegt. Die Nummerierung der einzelnen Abschnitte entspricht den Tracks dieser CDs. Es ist daher möglich, das schriftliche Protokoll auch als Inhaltsverzeichnis für die Tonaufzeichnung zu benutzen, um bestimmte Teile gezielt abzuhören (Bestllung bei per E-mail an den Medienreferenten des BSVSH!).
- Veranstaltungsort: KulturForum in der Kieler Stadtgalerie
- Teilnehmer: ca. 80 Interessenten aus Kiel, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern, vorwiegend aus den Blinden- und Sehbehindertenverbänden, aber auch von Verkehrsbetrieben und anderen Institutionen.
- Beginn: 25. Januar 2003 um 14:20 Uhr
- Ende: gegen 16:50 Uhr
- Schirmherrschaft: Dr. Ulrich Haase, Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderungen in Schleswig-Holstein, vertreten durch Herrn Schomacher.
- Moderator: Dr. Jürgen Trinkus (BSVSH Kiel)
- Protokoll: Dr. Jürgen Trinkus
Teil I: Einleitung
- Eröffnung durch Moderator. Mitteilung, dass eine Dokumentation der Veranstaltung erstellt wird, die für eine Gebühr von 15 bezogen werden kann. Zur Milderung der Kostenbelastung der Bezirksgruppe Kiel war ein Eintrittsgeld von 2 angekündigt, das nun doch nicht erhoben wird. Dafür bitten die Veranstalter die Anwesenden, sich mit einer Spende am Aufwand zu beteiligen.
- Begrüßung durch die Bezirksgruppenvorsitzende Hilde-Roswitha Weinhold. Würdigung der weit Angereisten, namentlich auch aus Bremen. Für den Landesvorstand nimmt Herr Andreas Regis teil. Frau Annegret Walter, die Landesvorsitzende lässt sich wegen Krankheit entschuldigen und wünscht der Veranstaltung einen guten Verlauf.
Herr Raupach als Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion wird namentlich begrüßt sowie Herr Klein (KVG), der die Verkehrsbetriebe vertritt, Herr Gottschall für das Sozialamt der Stadt Kiel, Herr Drescher (Mercedes) u. a. (s. Teilnehmerliste!). Für den Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen ist Herr Schuhmacher anwesend.
- Grußwort des Landesbeauftragten Dr. Haase, übermittelt von Herrn Udo Schomacher:
Dank für die Einladung und Grüße von Dr. Haase. Geht aus von den zentralen Botschaften des Europäischen Jahres für Menschen mit Behinderungen: Teilhabe verwirklichen! Gleichstellung durchsetzen! Selbstbestimmung ermöglichen! In diesem Sinne hat Landtag Landesgleichstellungsgesetz beschlossen. Nachbesserungsbedarf in Barrierefreiheit. Schritt in die richtige Richtung mit der Option, von hier aus weiter zu gehen, denn Arbeit ist noch längst nicht erledigt. In diesem Kontext ist heutige Veranstaltung zu Blindeninformationssystemen in Verkehr und Städtebau zu sehen. Auf die in dieser Veranstaltung aufzuzeigenden technischen Möglichkeiten ist er gespannt. Wunsch: interessante Veranstaltung mit vielen Anregungen zur Verbesserung der Mobilität blinder und sehbehinderter Menschen.
- Organisatorische Mitteilungen zum weiteren Ablauf.
Referat von Pavel Rocek
- APEX ist führend auf dem tschechischen und hofft auch auf gute Position am europäischen Markt. Wurzeln der Firma im Unternehmen Tesla. Nennung historischer Wegmarken seit 1988.
- Zur Entwicklung des digitalen Haltestellenansagegerätes um 1990. Private Firma APEX wurde 1992 aus der Abteilung Mobile Kommunikation des TESLA - Instituts für Nachrichtentechnik gegründet.
Im Rahmen des historischen Abrisses werden Begriffe geklärt wie IBIS-Schnittstelle, die durch den VDV definiert wird. Erörtert werden die verschiedenen Frequenzbereiche, mit denen die Systeme arbeiteten bzw. arbeiten. Abriss bis 2001 REHA - Messe in Düsseldorf.
- Einspiel Video-Mitschnitt Bericht DSF-Fernsehen von RehaCare.
- Zu Aktivitäten in Deutschland, Pläne in Zusammenarbeit mit BSV Sachsen.
- Mitarbeit in technischer Kommission der EU seit 2002
- Erläuterungen zum akustischen Leitsystem in Prag und seinen Bestandteilen. Demonstration
- aktiver Informationsabruf am Kommandosender für Blinde: Anzeige von Gebäuden, Einrichtungen und Räumen,
- Ansage von Bahn- und Buslinien,
- Meldung an Fahrzeugführer: "Der Blinde will einsteigen!"
- Digitales visuelles und akustisches Informationssystem an den Haltestellen mit Demonstration.
Information für U-Bahn-Zugfahrer zum Öffnen der Türen. Zum Stand der Einführung - Rückschlag durch Hochwasser im August 2002.
- Bake zur Information über Orte in der Stadtbebauung: Unterführungen, Krankenhäuser, Behörden, Universitätsgebäude, Supermärkte, Kreuzungen, Bahnhöfe, Flughäfen.
- Anwendungen im Straßenverkehr: Lichtsignalanlagen mit aktiver Anforderung des Tonsignals für Grünschaltung.
- Anwendungen an Fernreisezügen sowie Orientierungshilfen in Gebäuden wie Krankenhäusern (noch in Entwicklung). System für Flughäfen. Weitere Referenzinstallationen in der Tschechischen Republik.
- In der tschechischen Republik ist der Standard gesetzt. 2000 Geräte wurden an Blinde ausgegeben. Alle Teilsysteme in allen Städten sind kompatibel. So soll es nun auch in Sachsen werden. Voraussetzung ist die Kooperation von Verkehrsbetrieben, Blindenselbsthilfe und Herstellern.
Referenzen aus dem Ausland.
- Ausführliche Darstellung von Untersuchungen zur Verlässlichkeit der Systeme.
- Projekte im Freistaat Sachsen: Treffen am 5.12.2002 in Dresden, woran Verkehrsbetriebe aus Dresden, Chemnitz, Leipzig, Zwickau und Plauen teilnahmen. Dresden, Chemnitz Leipzig wollen funkakustische Leitsysteme umsetzen. APEX wird in alle Beratungen einbezogen. Zum Stand der Zusammenarbeit mit Siemens.
- Moderator bittet um abschließende Sätze vor der Pause. Pavel Rocek lädt die Teilnehmer der Veranstaltung ein, bei einem Besuch in Prag auch die Firma APEX in Jesenice zu besuchen und dankt für die Aufmerksamkeit.
Moderator entlässt die Versammlung in die Pause.
Vor Beginn der Diskussion trat die Versammlung in eine Pause.
Teil II: Diskussion
- Eröffnung durch den Moderator.
- Frau Weinhold (BSVSH Kiel) fragt nach der Informationsabfrage, wenn 3 Busse hintereinander halten. Herr Rocek geht in seiner Antwort zunächst auf die Situation ein, wenn 2 Straßenbahnen nebeneinander halten. Wenn 3 Busse hintereinander halten, reagieren nur die beiden vorderen, die in Reichweite des Anforderungssenders stehen.
- Herr Harald Preuß (BSVSH Stormarn) fragt, ob es nicht sinnvoller wäre, den Informationslautsprecher in das Anforderungsgerät des Blinden zu integrieren. Herr Reinhard Erdloff (BSVSH Steinburg) ergänzt dazu ein Wirtschaftlichkeitsargument: Einbau von Außenlautsprechern in große Zahl von Bussen, ist teurer als wenn wenige Blindenhilfsmittel mit kleinen Lautsprechern ausgestattet werden würden. Herr Rocek führt an, dass sich die Blinden in der tschechischen Republik für die Außenlautsprecher entschieden haben, da sie nicht mit Kopfhörern im öffentlichen Verkehrsraum laufen möchten, um sich akustisch in der Umgebung orientieren zu können.
- Systementscheidungen und Wirtschaftlichkeit. Tschechische Betriebe aufgeschlossener für Blindenbedarf als sächsische, bei denen die Finanzierung in Frage steht.
Als persönliche Vision nennt der Referent den Einbau der Benutzereinheit des funkakustischen Leitsystems in ein Handy, das auch GPS-Ortung integriert. Problem ist zu lange Verarbeitungszeit von Informationen.
Entwicklungstempo der Technik ist so hoch, dass ein Warten auf bessere Lösungen nie ein Ende hätte. Einmal muss man sich für ein System entscheiden, auch wenn es vom technischen Fortschritt bald wieder überholt wird. Veraltet ist ein System nach ca. 5-6 Jahren. Die Einführung eines Systems, das wie das von APEX bereits getestet und erprobt ist, kommt noch immer am kostengünstigsten.
Ein Gerät nach den Anforderungen des Verkehrsamtes Bern würde ca. 500 Sfr kosten. Das Gerät, welches in Tschechien im Einsatz ist, kostet 70 , die das Ministerium für Arbeit und Soziales bzw. die Krankenkassen tragen.
- Herr Rocek teilt mit, dass er leider nur 20 Kataloge und 10 CDR zum austeilen dabei hat, weil er nach den Erfahrungen einer Präsentation in Dresden nicht mit einem so großen Auditorium gerechnet hat. Er dankt allen Interessenten für ihr Kommen (Beifall).
- Auf Bitten des Moderators spricht Pavel Rocek über die Kosten des Systems für die Verkehrsbetriebe. Er schickt voraus, dass das Anforderungsgerät für die Hand der blinden Nutzer, welches in Tschechien 70 kostet, in Deutschland voraussichtlich nach Auskunft der Partner in Hannover (gemeint ist der VzFB) für ca. 120 angeboten werden könnte. Bordempfänger, der mit Haltestellenansagesystem und Bordrechner des Fahrzeuges über IBIS-Schnittstelle kommuniziert, kostet in Tschechien 250 und würde in der Bundesrepublik wahrscheinlich 330 kosten. Hinzu kommt aber die Anpassung der Software der Verkehrsbetriebe durch Siemens, die teuer werden könnte.
Herr Dieter Butschkau von der Rostocker Straßenbahn AG stellt Überlegungen an, wie die Kosten für seinen Betrieb aussehen könnten. Bei ca. 150 Fahrzeugen rechnet er mit 150-300 000 . Damit wäre dann lediglich die Minimalvariante realisiert. Anpassung der vorhandenen Applikationen mit dem Ziel der Einbindung in die Zeitscheiben der IBIS-Schnittstelle kosten teuren Programmiereraufwand, den niemand den Verkehrsbetrieben abnimmt- angewiesen auf Gelder aus der öffentlichen Hand.
Herr Rocek gibt zu bedenken, ob es dann nicht vielleicht billiger wäre, die APEX-Baken mit den Haltestellenansagegeräten der ÖPNV-Fahrzeuge zu synchronisieren, ohne dazu die Schnittstellen zu benutzen. Die Speicherkapazität der Baken reicht für ungefähr 5 Minuten Ansagetext, 64 MB, was bei MPEG3 auch für 2 Stunden reichen kann. Bordempfänger mit Verstärker würde ca. 400 kosten. APEX sieht von Anfang an 3 Audiowege vor.
Wenn es Erfolge geben soll, muss die Selbsthilfe den Druck auf Politiker, Abgeordnete und Verkehrsbetriebe erhöhen.
- Frau Bettina Wagner (BSVSH Kiel) kommt auf das Problem der 3 Busse, die hintereinander halten, zurück. Für sie kommt es darauf an, auch dem hintersten Fahrzeug zu signalisieren, dass sie einsteigen möchte.
Herr Rocek hält das für realisierbar über die Vergrößerung der Funkreichweite.
Herr Klaus Klinke (BSVMV Schwerin) wirft ein, dass doch für die Busfahrer nicht klar ist, in welche Linie der Blinde einsteigen möchte. Herrn Roceks Antwort, dass alle drei eben warten müssen, wird mit Heiterkeit quittiert. Herr Rocek erläutert, dass eine solche Situation nicht der Regelfall sei. Für die Fahrer sei sie eher eine Ausnahmesituation. Die technische Situation habe auch einen menschlichen Aspekt: Fahrer müssen lernen, damit umzugehen.
Information über Außenlautsprecher hilft nicht nur Blinden sondern ist Information für alle.
- Herr Marco Clausen (BSVSH Kiel/Preetz) meint, der Siemens-Konzern müsse den Blinden und Sehbehinderten in der Kostengestaltung entgegen kommen.
- Frau Weinhold (BSVSH Kiel) kommt auf das Kostenproblem zurück. Teuer sei zwar die Nachrüstung, doch der Einbau der nötigen Komponenten in neue Fahrzeuge würde als Kostenfaktor relativ gering sein.
Dazu nimmt Herr Butschkau von der Rostocker Straßenbahn AG Stellung.
- Herr Dieter Butschkau (Rostocker Straßenbahn AG) greift die Problematik des Einsatzes des akustischen Funkleitsystems im ÖPNV einerseits und in öffentlichen Gebäuden (z.B. Behörden) auf und fragt nach einer einheitlichen Standardisierung, die Überschneidungen und Missverständnisse ausschließt. Niemand habe etwas davon, wenn er die Ansage der Straßenbahnlinie auslöst und ein Türlautsprecher antwortet: "Hier ist das Sozialamt!" - Wenn ein Standard vorhanden ist, kann bei Ausschreibungen zur Anschaffung neuer Fahrzeuge eine entsprechende Anforderung leicht hineinformuliert werden. Dann könnte der Kostenfaktor auch vernachlässigbar klein werden, denn alle Komponenten wie Haltestellenansagegerät, Bordrechner und Außenlautsprecher sind in modernen Fahrzeugen enthalten. Mehrkosten für den Anforderungsempfänger fallen durch den Wettbewerb dann fast ganz unter den Tisch. Das kann aber nicht ohne Standardisierung oder als Insellösung funktionieren.
Frau Weinhold (BSVSH Kiel) wirft ein, dass sie nicht nur Deutschland-weite sondern europäische Lösungen wünscht.
Dieter Butschkau bekräftigt, dass es dafür politische Lösungen geben muss. In Sachen Verkehrsbetriebe ist der Ansprechpartner der VDV = Verband der Verkehrsunternehmen.
- Pavel Rocek berichtet von seinen Kontakten zum VDV. Noch in diesem Jahr soll eine neue Schnittstelle "Can Open" getestet werden. Momentan ist das ein Entwurf, ein Draft.
Obwohl die Tschechische Republik noch nicht Mitglied der EU ist, arbeitet APEX bereits in einem Unterausschuss 10 einer EU-Normierungskommission mit. Herr Rocek zitiert aus einem Draft dieser Kommission vom Dezember 2002, worin die Verwendung der Außenlautsprecher an Fahrzeugen für die Information Blinder und Sehbehinderter vorgesehen ist. In diesem Standard sind die Anforderungen als Entwurf formuliert, doch die Lobbys wollen keine Standardisierung. Als Beispiel führt er Prag an, wo Motorola mit einem Firmenstandard einen europäischen Standard verdrängt.
APEX ist eine kleine Firma, die ihr Geschäftsrisiko selbst tragen muss. Damit hat sie weniger Spielraum als die großen Firmen der alten Ökonomie wie ehemalige tschechische Staatsbetriebe oder auch Siemens.
- Moderator Dr. Jürgen Trinkus (BSVSH Kiel) erinnert an die Rolle von Siemens bei der Einführung akustischer Zusatzeinrichtungen für Lichtsignalanlagen (Ampeln). Nach seiner Darstellung hat Siemens den Kommunen zugeraten, sich auf die Montage eines Vibrationsgebers an den Ampelmasten zu beschränken. Lobbyarbeit der Blindenselbsthilfe hat hier für höhere Standards gesorgt.
Nun muss die Frage gestellt werden, wie es nach dieser Kieler Informationsveranstaltung in Sachen akustische Funkleitsysteme weiter gehen soll. Das Problem habe mehrere Dimensionen: 1. die Standardisierung und Schnittstellenvorbereitung als nationale und europäische Aufgabe. 2. Der Druck von unten. Interessenten aus Kiel, Dresden usw. sollten jetzt über die Gremien des Deutschen Blinden- und Sehbehinderten-Verbandes auf den VDV einwirken, um die Standardisierung sicherzustellen. Gleichzeitig müsste das Bedürfnis an solchen Lösungen so artikuliert werden, dass ein Druck auf die Systemhersteller und Anwender spürbar werde. Aktivisten müssten Pilotprojekte schaffen und den Bedarf glaubhaft machen.
- Frau Anette Paul (BSV Bremen) bezieht sich zunächst auf eine vorherige Frage und teilt mit, dass in Bremen durchgesetzt wurde, dass Busse, die im Haltestellenbereich an hinterer Position halten, dann noch einmal kurz vorn anhalten müssen, um auch solchen Fahrgästen eine Einsteigechance zu geben, die nicht so mobil sind. Anschließend fragt sie nach konkurrierenden Systemen. Sie habe von einem Projekt zur akustischen Haltestelleninformation in Bielefeld gehört. Herr Rocek kennt nur ein vergleichbares System in Paris, aber nicht sehr genau. In Entwicklung befindet sich auch ein holländisches "Sound Acoustic and Navigation System", das 2004 beendet werden soll. Des Weiteren existiert ein Anforderungskatalog vom Verkehrsamt Bern. Aber praktikabel ist nur das, was APEX präsentiert. Der Blinde kann mit 2 bis 3 Bussen Kontakt aufnehmen. Alle drei müssen daraufhin die Türen öffnen.
- Herr Uwe Hinrichsen (BSVSH Kiel)meint, dass das Prager System sicherlich den Ansprüchen eines Straßenbahnnetzes gerecht wird, wo selten mehrere Bahnen hintereinander halten. Bei Bussen sei das schwieriger.
- Herr Jürgen Schlünder (Mobilitätstrainer, Schinkel) erinnert an die Bedürfnisse auch anderer Busbenutzer mit eingeschränkten Möglichkeiten, wie geistig Behinderte, die nicht lesen können oder ältere Menschen, deren Wahrnehmung verlangsamt ist.
Frau Annemarie Rönnfeld (BSVSH Kiel) bekräftigt, dass viele Busfahrer die technischen Ansagemöglichkeiten gar nicht nutzen.
Der Moderator ermahnt zur Konzentration auf Fragen, die mit APEX zusammenhängen.
Pavel Rocek betont, dass APEX auch für Rollstuhlfahrer arbeiten würde, aber in Prag gibt es nur mechanische Rampen u.dgl.
Kommandosender kann aber auch für Menschen genutzt werden, die nicht gut hören: Wiederholung der Stationsansage abfordern.
Anforderungen können aber nicht von APEX kommen. In Prag wurde der Blindenverband initiativ.
- Dieter Butschkau (Rostocker Straßenbahn AG) entwickelt einen APEX-unabhhängigen Ansatz. Mit einem Anforderungssender kann ein blinder Fahrgast dem Fahrer seinen Bedarf signalisieren, ohne in die Bordelektronik einzugreifen. Der Fahrer kann daraufhin den Außenlautsprecher aktivieren und eine Durchsage machen. Man sollte wieder mehr auf den Faktor Mensch bauen. Anforderungen für Entwicklungen müssen aber von den Betroffenen kommen.
Pavel Rocek antwortet dazu: Wenn die Rostocker Blinden damit zufrieden sind, ist es gut; die tschechischen Blinden wollten ein universales System, nicht nur für den Nahverkehr. In Amsterdam existieren 3 unterschiedliche Systeme: für Eisenbahn, für Busse und für Ampeln. Blinde müssen 3 verschiedene Geräte tragen. Blinde in Tschechien wollten so etwas nicht.
Tschechische Frequenz nicht international durchsetzbar. Daher wird das APEX-System jetzt als duales ausgebaut. Der gleiche Kommandosender aktiviert dann Kommandoempfänger innerhalb und außerhalb des eigenen Landes.
- Dr. Jürgen Trinkus (BSVSH Kiel) macht auf ein Dilemma aufmerksam: Es ist gut, dass die, die etwas tun wollen, nicht auf unbestimmte Zeit warten; aber regionale Insellösungen schaffen auch Tatsachen, die spätere Standardisierung erschweren.
Was tun wir nach dieser Veranstaltung? Wir sollten eine Pressemitteilung herausgeben, dass diese erste Präsentation in Norddeutschland unter Beteiligung von 3 Bundesländern erfolgreich stattgefunden hat und zum Ergebnis führte, dass ein nationaler Bedarf geltend gemacht werden muss. Die Sensibilität der Verkehrsbetriebe ist so zu schärfen, dass sie bei der Systementwicklung die Schnittstellen offen halten für behindertengerechte Lösungen.
Herr Klaus Klinke (BSVMV Schwerin) plädiert dafür, eine Resolution an den Bundesvorstand des DBSV zu richten.
Dr. Trinkus antwortet dazu, dass ein Protokoll dieser Veranstaltung erstellt wird, das Frau Weinhold, die nicht nur Bezirksgruppenvorsitzende sondern auch Landesbeauftragte für Umwelt und Verkehr ist, nach oben tragen wird, so dass auch von hier aus ein Druck ausgeübt werden kann.
Herr Klinke schlägt vor, dass das Protokoll von allen anwesenden Bundesländern unterzeichnet werden könne.
Trinkus: Wenn Frau Paul das auch mit trägt und hier die Verkehrsverantwortlichen der Landesvereine versammelt sind, kann so verfahren werden.
- Herr Horst Weinhold (Kirchbarkau) fragt die Anwesenden, ob sie denn die Einführung eines solchen Systems überhaupt wünschen und bittet, solches durch Akklamation zu bekunden. Es wird applaudiert.
Herr Weinhold merkt ferner an, dass der Trend nicht zu einem ganzen Koffer verschiedenster elektronischer Hilfsmittel hingehen dürfte. Hier müsse der technische Fortschritt auch wieder Vereinfachungen bringen. Auch dafür gibt es Beifall.
- Moderator Trinkus schließt die Veranstaltung mit dem Dank an alle, die angereist sind und dadurch demonstrieren, dass sie einen Fortschritt wünschen.
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