"Dialog im Dunkeln" gibt es seit 1989. Kreiert wurde dieses Ausstellungskonzept durch die Stiftung Blindenanstalt Frankfurt a.M. . Diese "künstlerische Rauminstallation zur Erlebniswelt blinder Menschen" wurde bislang in 70 europäischen Städten in 14 Staaten von mehr als 500 000 Menschen erlebt. In einer Beschreibung heißt es:
"In einem völlig lichtlosen Raum werden Alltagssituationen und Natur wirklichkeitsnah in Szene gesetzt. An einer Bar im Dunkeln werden Speisen und Getränke angeboten. Besondere Wahrnehmungsprozesse werden hierbei aktiviert und sensibilisiert und ein Austausch zwischen blinden und sehenden Menschen angeregt." (zit. Nach © Stiftung Blindenanstalt)
Die Entwickler der Dialog-Idee Andreas Heinecke und Axel Rudolph gingen dann verschiedene Wege.
Die Entwickler der Dialog-Idee Andreas Heinecke und Axel Rudolph gingen dann verschiedene Wege. Dr. Andreas Heinecke gründete 1996 die Firma CONSENS, die seither "Dialog im Dunkeln" vermarktet. Seit April 2000 läuft "Dialog im Dunkeln" als großes Ausstellungsprojekt in Hamburgs Speicherstadt. (Diese und weitere Informationen bei © Dialog im Dunkeln, Hamburg). Im Ausstellungskomplex arbeiten 10 sog. Guides. Hinzu kommt Personal in den Bereichen Garderobe, Café, Kasse, Booking und Management (Leitung, Qualifizierung u.a.). In hohem Maße werden Schwerbehinderte, vor allem Blinde und Sehbehinderte beschäftigt. Gefördertes Ziel ist die Integration in den 1. Arbeitsmarkt. Die Ausstellung hat eine Laufzeit bis mindestens 2005.
Das Publikum besteht zum einen aus Schulklassen und zum anderen aus interessierten erwachsenen sowie Gruppen, die mit speziellen Angeboten wie Managerkurse oder Event-Gastronomie angelockt werden. Ergänzt wird das Angebot durch interessante Veranstaltungen wie "Dinner in the Dark" (Erlebnisgastronomie), "Taste of Darkness" (Weinverkostung), "BLINDER PASSAGIER" (akustische Reise in ein zu erratendes Land).
Der Akustikdesigner Axel Rudolph entwickelte 1992 sein Konzept "UNSICHT BAR" und eröffnete im Juni 2001 in Köln "Deutschlands erstes Dunkel-Restaurant -schmecken, riechen, fühlen, Hören". Es bietet Platz für ca. 40 Personen und gehört in den Bereich Erlebnisgastronomie.
Das "besondere an diesem Lokal ist nicht nur das Essen, sondern hier wird in völliger Dunkelheit gegessen. Hier tauschen Blinde und Sehende die Rollen. Die sehenden Gäste sind auf die Mithilfe der blinden Kellner angewiesen. (...)Teil des Konzeptes ist es auch die Gäste nicht genau wissen zu lassen, was sie essen. Die Gäste können im Empfangsbereich wählen zwischen vier verschiedenen Geschmacksrichtungen, vegetarisch, Käse, Geflügel, oder Fisch.
Durch den freiwilligen Verzicht der sehenden Gäste auf den Sehsinn werden die anderen Sinne in hohem Masse sensibilisiert und intensiviert.
Das Hören ist in der unsicht-Bar der wichtigste Sinn um Informationen überdie Umwelt zu bekommen. Informationen über Raumgröße, Entfernungen, Abstände können herausgehört werden mit ein bisschen Übung.
Neben gutem Essen wird mit einem ausgewählten Musikprogramm eine akustische Atmosphäre geschaffen, die anregend und entspannend ist.
Zu besonderen Anlässen gibt es Live Musik, Lesungen oder Geräuschinzenierungen.
P.S. Der nichtblinde Koch arbeitet nicht im Dunkeln, und das WC ist außerhalb des Restaurants und ebenfalls beleuchtet. Das Restaurant ist in der Kölner City,Im Stavenhof 5 -7, Öffnungszeiten: Dienstags bis Samstags: 18.00 - 24." (Zitiate aus © "Handicap" 3/2001)
Zur "unsicht-Bar" und zu ähnlichen Projekten in Deutschland gibt es einen Vorläufer in Zürich: "blindekuh".
Nach einer längeren Vorbereitungszeit wurde am 5. September 2002 in Berlin gleichfalls eine "Unsicht-Bar" eröffnet. Hier wird in erster Linie Erlebnisgastronomie geboten. Blinde Kellner servieren ein 4-Gänge-Menü in einem dunklen Raum für ca. 150 Gäste. Im gleichen Haus gibt es seit Februar 2003 "die erste Dunkelbühne überhaupt". Träger des Berliner Projektes sind der Allgemeine Blinden- und Sehbehinderten-Verein Berlin gegr. 1874 e.V. (ABSV) und dessen Blindenhilfswerk Berlin gGmbH. Das Knowhow stammt von Axel Rudolph.
In Berlin entstand fast gleichzeitig ein privates Konkurrenzunternehmen mit ähnlicher Zielstellung: Dunkelrestaurant "Nocti Vagus" - Der Nachtschwärmer in Berlin-Prenzlauer Berg.
In Schleswig-Holstein gibt es das Flensburger "Café Unsichtbar", das in einer nunmehr schon 6-jährigen Zusammenarbeit der Gebietsgruppe Flensburg des BSVSH und der Phänomenta in einem jährlich mehrwöchigen Turnus im "Nordertor" durchgeführt wird. Das Dunkel-Café bietet nur ca. 15 Personen Platz. Um so bemerkenswerter sind Nachfrage und Gästezahl: Allein im Durchgang 2002 vom 23. Februar bis zum 24. März waren an den Wochenenden insgesamt mehr als 1000 Besucher registriert worden. Hinzu kamen Schulklassen und Gruppen mit insgesamt weiteren 850 Personen. Gezeigt werden in einer Ausstellung Blindenhilfsmittel. Spezielle Veranstaltungen mit kompetenten Referenten aus dem Landesverein u.a.: "Sehbehindert - was nun?", "Kunst zum Anfassen", "Spiele im Dunkeln", "Raumerkundung: Mobilitätstraining für Sehende und Blinde" und "Der Blindenführhund: Hilfsmittel mit Seele".
Auch andere Landesvereine der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe haben bereits gute Erfahrungen mit Dunkel-Installationen gemacht. Hohe Besucherzahlen vermeldete der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund für seine Dunkel-Projekte in Nürnberg und München.
Der bundesweite Zusammenschluss Blinde und Kunst e.V. wurde bereits 1993 von einer Reihe kreativer blinder Künstler gegründet, die sich in den Bereichen bildende Kunst, Literatur, Musik, Klein- und Radiokunst tummeln. Dieser Verein stand nicht Pate bei der Entwicklung von "blickfrei!", aber es ist doch eine große Seelenverwandtschaft zu erkennen. Mit seinen vielfältigen Veranstaltungen zwischen Cuxhaven und Freiburg, zwischen Gießen und Köln führt auch dieser Verein den Beweis, dass die lichtfreie Wahrnehmung durchaus eine Nervenfaser unserer Gesellschaft trifft.
Für eine Pflege der Hörkultur engagieren sich natürlich auch Akteure und Verantwortliche aus dem Bereich akustische Medien. Im Veranstaltungsprogramm einiger Sender haben Hörspiel und Feature einen festen Platz.
Besonders traditionsreich ist die Veranstaltungsreihe "Hörperspektive", in der der Saarländische Rundfunk am letzten Mittwoch im Monat eine Hörspielproduktion vorstellt. Stammlokal ist die "Stadtschenke", und es sind die beiden Dramaturgen des Senders und möglichst auch die Autoren der jeweils öffentlich präsentierten Stücke dabei.
Deutschlandradio stellt in Berlins Hackeschem Hoftheater 2-mal im Monat neue Produktionen vor. Der WDR präsentiert an Orten, die jeweils zum Stück passen, neue Hörspiele in seiner Reihe "Hörspiel vor Ort". Die Featureseite von Radio Berlin-Brandenburg nennt gleich 3 Berliner Veranstaltungsorte: DOMizil (Berliner Dom am Lustgarten, 10178 Berlin-Mitte, Eingang Spreeseite, Portal 11), HörBibliothek (Mediathek, Stadtbibliothek Treptow-Köpenick, Jägerstrasse 1-2 / Schüßlerplatz, 12555 Berlin-Köpenick) HörKino (Deutsches Historisches Museum, Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3, 10117 Berlin-Mitte).
Besonders herauszuheben ist die Reihe "Hörspiel unterm Sternenzelt", zu der der SWR ins Planetarium Mannheim einlädt. So wurde eine visuelle Lösung für die ewige Problemfrage der öffentlichen Aufführung rein akustischer Produktionen gefunden im Sternenzelt, "das eine Art meditative Ruhe ausstrahlt, so dass man nicht abgelenkt wird vom Hören, sondern im Gegenteil hingelenkt wird zur Konzentration auf das Stück." (Dramaturg Hans-Burkhard Schlichting im Interview=.
Die konsequenteste Installation, die aus dem Bereich Rundfunk stammt, ist das Wiener Klangtheater GanzOhr. Im ORF Funkhaus in Wien wurde ein einzigartiger, künstlerisch gestalteter Raum geschaffen, der eine phantastische Reise durch die Vielfalt akustischer Reize und Eindrücke ermöglicht: "Auf einer fahrenden Plattform bewegt sich der "Hörer" im abgedunkelten Raum. Auf dem Weg wird in mehreren Stationen ein akustischer, geschichtlicher Ablauf über Entwicklung und Positionierung des Radios von 1889 bis heute geboten."
Diese Idee eines Erlebnisparks für die Ohren stammt von André Heller und Alfred Treiber. "Im Mai 1998 wurde mit der Eröffnung des KlangTheaters GanzOhr im ORF RadioKulturhaus das Tor zu einer neuen und ungewohnten Art der Unterhaltung geöffnet. Im Mittelpunkt eines mit modernsten Multimedia-Technologien ausgestatteten Theaterraumes stand einmal nicht der visuelle Reiz sondern der akustische. Das Ohr, das Hören, die Klänge und die Stille bekamen ein Refugium, ein ‚Laboratorium der Zwischentöne', wie Mitbegründer André Heller es ausdrückte.
Diese Idee eines Erlebnisparks für die Ohren stammt von André Heller und Alfred Treiber. "Im Mai 1998 wurde mit der Eröffnung des KlangTheaters GanzOhr im ORF RadioKulturhaus das Tor zu einer neuen und ungewohnten Art der Unterhaltung geöffnet. Im Mittelpunkt eines mit modernsten Multimedia-Technologien ausgestatteten Theaterraumes stand einmal nicht der visuelle Reiz sondern der akustische. Das Ohr, das Hören, die Klänge und die Stille bekamen ein Refugium, ein ‚Laboratorium der Zwischentöne', wie Mitbegründer André Heller es ausdrückte. Die Klang-Reise führte seither über Geschichtsbilder aus Originalaufnahmen zu musikalischen Kompositionen mit Naturklängen, von Confetti´s aufregenden Hör-Abenteuern zu akustischen Stadtspaziergängen durch Raum und Zeit."
Durch Klangszenarien werden "Bilder im Kopf" ausgelöst. "Der Abenteuergehalt eines akustischen Erlebnisses kann wesentlich höher sein als der eines visuellen Erlebnisses, wo die Bilder ja bereits vorgekaut sind und einfach geliefert werden, wie sie sind." (Zitate aus einer SWR2-Sendung von Chirine Ruschig am 2.1.2003 um 14:05).
Die Anlage des Klangtheaters GanzOhr ist sehr aufwendig, daher auch teuer und störanfällig. Mit einem künstlerisch gestalteten Lift werden die "Hörschauer" in den schwarz ausgekleideten Raum der Klangabenteuer befördert. Dieser Raum ist 30 m tief und ca. 5-6 m breit. Er enthält 30 Sessel. Zur technischen ausstattung gehören 50 verschiedene Lautsprecher auf 24 Kanälen, die von einer speziellen Software gesteuert werden. Hinzu kommen auch 4 Großprojektoren, 3 Leinwände, ein 9 qm großer Spiegel und eine hydraulische Hebebühne. Trotz dieses enormen Aufwandes fürs Auge: Wenn die Hörwahrnehmung am intensivsten ist, ist der Raum ganz finster. Zur Rolle des Visuellen sagt der Leiter des Klangtheaters, Klaus Lintschinger: "Im Prinzip hat das Bild im Klangtheater immer den Klang zu unterstützen und das Klangerlebnis zu illustrieren. Ein Nullbild sozusagen, also der reine Dunkelraum ist vom Klangerlebnis her am eindrucksvollsten."
Mehr zu und vom Klangtheater Ganzohr!
Der aktuelle Stand, den der SWR am 2. Januar 2003 vermeldete, besagte aber: "Leider hat das Klangtheater zur Zeit Computer und andere technische Probleme und ist nicht geöffnet."
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| Erstellt am 02.10.2002 | Zuletzt geändert am 31.01.2005 | Mail an den Seitenautor: Jürgen Trinkus | Zur Homepage von J. Trinkus! |