"Die Reise des kleinen Prinzen" - Dunkellesung als Text-Musik-Collage

Am 14. März 2003 war der Kleine Prinz auf der damals neu eingeführten Kieler Ohrenweide zu erleben. Die schätzungsweise 150 Besucher der Veranstaltung ließen sich in den komplett dunklen Raum führen. Fünf Mitglieder der Bezirksgruppe Kiel des BSVSH führten die Besucher zu den Plätzen. Am Ende der Veranstaltung gab es auch wieder Licht.

Nichts von dem, was Jürgen Trinkus an diesem Abend verwendet, ist an sich neu. Die Texte werden etwas mehr, die Musiken größtenteils etwas weniger bekannt sein. Um so erstaunlicher ist, wie scheinbar Altbekanntes in Auswahl, Anordnung und Interpretation doch etwas völlig Neues ergeben.

Vorgelesene Texte und eingespielte Musiken sind in ihrer Wirkung fein aufeinander abgestimmt. Die Musik gibt den gesprochenen Worten einen eigenen Nachklang, keinesfalls eine Interpretationshilfe, sondern lediglich - doch immerhin - einen Freiraum, im Kopf des Hörers neue Verbindungen einzugehen.

Der ästhetische Ansatz ist auch nicht neu. Die Jugendredaktion des Bayerischen Rundfunks hatte Anfang der 70er Jahre in ihrer Sendereihe "Pop Sunday" wahre Meisterwerke der Text-Musik-Symbiosen geliefert. Leider ist diese Präsentationsform dem Radio wieder abhanden gekommen.

"Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupery gehört zu den Stoffen, an denen Jürgen Trinkus seine Idee der Synthese von Literatur und Musik aus den Grenzbereichen von Rock, Jazz und Weltmusik schon in den späten 70er Jahren zu verwirklichen begann. Das, was also in der Kieler Dunkellesung zu erleben ist, hat einen langen Reifungsprozeß durchgemacht und ist schon mindestens 30 mal zur öffentlichen Aufführung gekommen.

Damit eine gewisse Vorstellung vom musikalischen Material entstehen kann, seien einige Namen genannt: Nik Tyndall, Blue Chip Orchestra, Anders Roland & Finn Olafsson, Mike Oldfiield, Suzanne Vega, Spliff, Jiri Stivin & The Jazz Q Prague, Rolling Stones, Paul McCartney, Czeslaw Niemen, Klaus Lenz Big Band, Steeleye Span, Al Di Meola, Dire Straits, Pavol Hammel & Marian Varga, Hans Die Geige, Crosby, Stills & Nash.

Und was heißt Dunkellesung? Nun, der Raum des KulturForums wird an diesem Abend so in Dunkelheit liegen, dass die Augen nichts mehr sehen können. Auch der Vorleser sieht nichts. Was er liest, liest er mit seinen Händen. Der Ursprung jener Braille-Schrift war übrigens die Idee eines französischen Militärs, eine Nachtschrift für Soldaten zu entwickeln. Auch daraus wurde, wie man weiß, etwas ganz Anderes.

Die Dunkellesung dauert ca. 65 Minuten.


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Erstellt am 1.2.2003Zuletzt geändert am 29.11.2006 Mail an den Seitenautor: Jürgen Trinkus!